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„I make films in opposition“:
Emile de Antonio
und die Schwierigkeit einen Vietnamfilm zu machen
Inhaltsverzeichnis:
1. ... –amerikanischen Film und Fernsehen
1. ... Emile de Antonio
2.1 de Antonio und die New American Cinema Group
2.2 Point of Order und Rush to Judgment
3. ... -amerikanischen Film und Fernsehen
Über den Krieg in Vietnam wurde im Fernsehen der USA soviel berichtet wie über kein anderes historisches Ereignis. Der Großteil dieser Berichterstattung beschäftigte sich mit Einsätzen der Bodentruppen und der US Air Force, oder zeigte Stellungnahmen der Regie-rungen in Washington und Saigon. Die direkte Kriegsberichterstattung war dabei fast im-mer von der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit der Armee produziert worden. Nur ein Bruchteil des US-amerikanischen Fernsehens stellte die Sicht der Vietnamesen auf den Krieg dar oder zeigte die Antikriegsbewegung meist junger Menschen die sich zum Bei-spiel in Friedensmärschen oder Protesten an Universitäten manifestierte. ... In den Kriegsjahren ab 1964 fanden die wenigen, meist billig produzierten Spielfilme in denen Amerikaner auf vietnamesischem Boden kämpften kaum Publikumsinteresse. Die Ausnahme bildet der vom Pentagon mit mehr als einer Mil-lion Dollar subventionierte The Green Berets von John Wayne, der allerdings nur großes Interesse aber kaum Publikum erreichte.
Diese einseitige Präsentation des Konfliktes in Vietnam brachte Ende der sechziger Jahre unabhängige amerikanische Filmemacher dazu eine politsch motivierte Gegenöffentlich-keit zu schaffen um mit dokumentarischen Filmen auf die Auswirkungen des Krieges aufmerksam zu machen.
Einer der wichtigsten Dokumentarfilme über den Vietnamkonflikt die in dieser Periode entstanden ist In the Year of the Pig von Emile de Antonio. In the Year of the Pig ist ein äußerst anspruchsvoll montierter Kompilationsfilm der die vietnamesische Geschichte seit der französischen Kolonialzeit bis zum Höhepunkt des Vietnamkrieges zeigt. de Antonio hat sich bis zu seinem Tod 1989 ausführlich zu seinem Schaffen geäußert und im Zusam-menhang mit In the Year of the Pig immer wieder gegen andere Vietnamfilme polemi-siert. ... die Oscargewiner Hearts and Minds von Peter Davis oder Platoon von Oliver Stone. Es gibt unzählige Filme bei denen Kritik nicht ver-wundern würde und ohne Zweifel gerechtfertigt wäre, doch de Antonio überzieht meist die Produktionen mit Hohn, die von der Kritik positiv aufgenommen wurden und oft sogar als filmische Meilensteine gelten.
Dieses Phänomen wirft die Frage auf, worin sich diese Filme von de Antonio’s unter-scheiden und ob seine Kritik zu rechtfertigen ist. Ich möchte im Folgenden versuchen de Antonio’s kritische Sichtweise darzustellen und nachvollziehbar zu machen und am Bei-spiel von In the Year of the Pig zeigen daß sich seine Kreativität aus seiner Opposition gegen herkömmliche Darstellungsweisen in Film und Fernsehen speist. Der Begriff der Ojektivität, seine Beziehung zum Direct Cinema und zu Hollywood spielen dabei eine zentrale Rolle die ich näher beleuchten möchte. Zu Beginn gebe ich den militärischen Konflikt in Vietnam in kurzer Form wieder um mich dann dem Werdegang de Antonio’s zu widmen. Dabei findet die New American Cinema Group besondere Beachtung da ihre Forderungen in den frühen 60er Jahren de Antonio’s Wünsche nach einer Revolutionie-rung des Kinos widerspiegeln. ... 2 Der Krieg in Vietnam
Von 1946 bis 1975 wütete in Vietnam ein Krieg um die Unabhängigkeit, die Einheit und die Vorherrschaft in Lande. Der Krieg verlief in mehreren Phasen und begann 1946 als ein Befreiungskrieg der Vietnamesen gegen die französische Kolonialherrschaft. Seit 1950 unterstützten die USA die Franzosen finanziell und logistisch. 1954 kam es bei Dien Bien Phu zu einer entscheidenden Schlacht die mit einer endgültigen Niederlage der Franzosen endete. Das Land wurde auf der Genfer Indochinakonferenz 1954 vorläufig getrennt, die kommunistisch ausgerichteten Truppen der „Liga für die Unabhängigkeit Vietnams“ un-ter Ho Chi Minh zogen sich in den Norden zurück, die Franzosen mit ihren Verbündeten in den Süden. In der Folge des Genfer Abkommens verstärkten die USA, mit Zustimmung des Westens, ihr Engagement in Süd-Vietnam, um die Ausweitung des kommunistischen Staatssystems auf den Süden zu verhindern und lösten die Franzosen 1955 als Schutztrup-pe in Süd-Vietnam ab. Nord-Vietnam wurde von der Volksrepublik China sowie der Sow-jetunion und den europäischen Ostblockstaaten unterstützt. Die von den Amerikanern ein-gesetzte Süd-Vietnamesische Regierung unter Diem lehnte gesamtvietnamesische Wahlen ab, da es über eine äußerst schmale Basis verfügte. Im Süden Vietnams kam es daraufhin verstärkt zu Guerillaaktionen der südvietnamesischen Vietcong („vietnamesische Kom-munisten”) gegen Diems Regime und auch gegen amerikanische Militäreinrichtungen. Im Dezember 1960 gründete sich die Nationale Befeiungsfront Vietnam, sechs Wochen nach-dem John F. ... und 4. ... Mit der Tet-Offensive im Januar 1968 erreichte der Krieg einen vorläufigen Höhepunkt. Es zeichnete sich mehr und mehr ab, daß die Amerikaner im Dschungel von Vietnam ge-gen einen unbesiegbaren Gegener kämpften. Die Proteste gegen den Krieg hatten in den USA inzwischen einen Höchstwert erreicht. Während die Bodentruppen nach und nach abgezogen wurden, verstärkten die USA die Luftangriffe auf ein Maximum bis schließlich am 27. Januar 1973 ein Waffenstillstandsabkommen von Vertretern der USA, Süd-Vietnams, Nord-Vietnams und der Provisorischen Revolutionsregierung Süd-Vietnams unterzeichnet wurde. Ohne die amerikanische Unterstützung kollabierten schließlich am 30. April 1975 die südvietnamesische Regierung und Armee. ... Im Vietnamkrieg wurden schätzungsweise zwei Millionen Vietnamesen getötet, drei Millionen verwundet und Hunderttausende von Kindern als Waisen zurückge-lassen; etwa zwölf Millionen Menschen verloren ihre Heimat. Auf amerikanischer Seite fielen insgesamt etwa 57 000 Soldaten und etwa 153 000 wurden verwundet. ... Emile de Antonio
Emile de Antonio wurde 1919 als erster Sohn einer Krankenschwester und eines wohlha-benden intellektuellen Arztes in Pennsylvania geboren. Schon im Elternhaus wurde, von seinem Vater gefördert, sein Interesse für Kunst und Politik wecken. Dieses Interesse ver-suchte er ab 1936 in Harvard weiter auszuloten, dort wurden aber vor allem seine Leiden-schaft für den Marxismus und starke alkoholische Getränke bewirkt. In den folgenden Jahren versuchte er sich in körperlicher Arbeit, unter anderem als Fischer, schlug eine Mi-litärlaufbahn ein und hatte mit 24 Jahren „one child, one ex-wife, and the first pages of what would become a voluminous FBI file.“
In den späten 40er und frühen 50er Jahren lebte de Antonio das Leben eines Bohème in Greenwich Village und tauchte in die Kunstszene von New York ein. ... ] It was called Conservati-ve Enterprises and I made up a list of names of officers. ... As soon as it made money, I rented a house near the ocean and read, swam, drank until it was gone. ... “
Diese Episode zeigt seine seine schon früh stark ausgeprägte Verachtung für das Estab-lishment und seine spitzbübische Methode das „System“ finanziell auszuschlachten ohne sich ihm zu verkaufen.
In dieser Zeit machte er zahlreiche Bekanntschaften in der sich gerade entwickelnden New Yorker Avantgarde Szene um den Komponisten John Cage und Künstler wie Robert Rau-schenberg und Jasper Johns. de Antonio betätigte sich als eine Art Agent für befreundete Künstler und beeinflusste auf diesem Wege z. ... Andy Warhol und Frank Stella in ihren Ausdrucksformen wesentlich. „de was the first person I know of to see commercial art as real art and real art as commercial art, and he made the whole New York art world see it that way, too“ sagte Andy Warhol später über de Antonios Wirkung auf die Kunstszene.
de Antonios ästhetische Sicht der Dinge wurde wiederum von den ihn umgebenden Künst-lern der Avantgarde geprägt. Formale Innovation ware bestimmend im Werk der Künstler mit denen er verkehrte und obwohl de Antonio vor allem als politischer Filmemacher be-kannt ist, ist es vor allem sein unbedingter Wille zu filmischer Innovation der seine Filme zu einem nachhaltigen Erlebnis machen. Der „Neue Film“ zu dem es bald tatsächlich kommen sollte, brauchte nach de Antonios Vorstellungen unbedingt neue formale Mittel. ... 1 de Antonio und die New American Cinema Group
Doch waren es nicht Maler oder Komponisten die de Antonio zum Film brachten. ... Während die französi-sche Nouvelle Vague auf die Leinwände der ganzen Welt kam, verursachten in den USA Avantgarde-Filme wie John Casavettes Shadows, Robert Franks und Alfred Leslies Pull My Daisy oder Shirley Clarkes The Connection ihre eigenen Wellen. Diese erfassten auch de Antonio für den die 12000$ Produktion Pull My Daisy eine Art Offenbarung darstellte: „It ‘revealed to me that a film could be as interesting as hell and be made for nothing‘ –and both financially and philosophically independent of the Hollywood system that he despised. ... Als Vorbilder galten das Free Cinema in England und die Nouvelle Vague in Frankreich. Die New American Cinema Group ist die erste amerikanische Filmgruppe, die sowohl in Produktion wie auch im Organisations- und Vertriebssystem unabhängig ist. de Antonio, der schon den Vertrieb von Pull My Daisy in die Hand genommen hatte, über-nahm die Funktion als eine Art Produzent der „Group“, organisierte Finanzierung und Verleih.
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